Archives Oktober 2019

Dürfen heimlich angefertigte Videoaufnahmen von den Arbeitsgerichten verwendet werden?

In vielen Fällen wird die Installation von Videoüberwachungsanlagen als probates Mittel zur Vorbeugung von Straftaten angesehen. Es wird unterstellt, dass zumindest ein Teil der potentiellen Straftäter dadurch abgeschreckt wird und sollte dies nicht der Fall sein, so soll zumindest die Aufklärung von Straftaten erleichtert werden. Allerdings sind sowohl im Arbeitsrecht als auch im allgemeinen Zivilrecht einige Hürden zu nehmen, wenn man ohne Rechtsverstoß eine permanente, sichtbare Videoüberwachung etablieren will. Diese Hürden werden im Arbeitsrecht noch höher, wenn eine verdeckte Videoüberwachung installiert werden soll. Wenn sich dann im Nachhinein herausstellt, dass die verdeckte Videoüberwachung rechtswidrig war, wird im Kündigungsschutzprozess die Frage gestellt, ob die so gewonnen Beweismittel zur Begründung der Kündigung überhaupt herangezogen werden dürfen. Zu einigen damit im Zusammenhang stehenden Fragen konnte das Bundesarbeitsgericht im Oktober 2016 (20.10.2016, 2 AZR 395/15) noch einmal Stellung nehmen. In diesem Zusammenhang ist das Bundesarbeitsgericht auch auf die Frage eingegangen, wann die aus § 626 Abs. 2 BGB resultierende Zweiwochenfrist zu laufen beginnt, wenn die kündigungsberechtigte Person erst zu einem deutlichen späteren Zeitpunkt Kenntnis von allen für eine außerordentliche Kündigung maßgeblichen Tatsachen erhält als andere Mitarbeiter.
 

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Wer zu spät zum Arzt geht, bekommt weder Arbeitslosen- noch Krankengeld?

Allgemein bekannt ist, dass die Pflicht zur Lohnfortzahlung für einen Arbeitgeber entfällt, wenn einer seiner Arbeitnehmer länger als sechs Wochen krank ist. Stattdessen hat der Arbeitnehmer dann einen Anspruch auf die Zahlung von Krankengeld gegenüber seiner Krankenkasse. Weniger bekannt ist, dass auch die Pflicht der Bundesagentur für Arbeit zur Fortzahlung von Arbeitslosengeld I endet, wenn ein Antragsteller über einen längeren Zeitraum als sechs Wochen erkrankt. Auch in diesem Fall hat der Antragsteller dann einen Anspruch auf die Zahlung von Krankengeld gegenüber seiner Krankenkasse. Doch was passiert, wenn man eine Folgebescheinigung, die einem die Arbeitsunfähigkeit durch einen Arzt attestiert, zu spät vom Arzt ausstellen lässt? Das Bundessozialgericht hat in einer Entscheidung vom 28. März 2019 (B 3 KR 22/17 R) klargestellt, dass der Antragsteller dann ohne einen neuen Antrag weder Anspruch auf Arbeitslosengeld I noch auf Krankengeld hat.

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