Archives August 2019

Müssen Eltern Schadenersatz leisten, wenn sie das Sparbuch ihres Kindes plündern?

Das Eltern schon für sehr junge Kinder Sparbücher anlegen, ist nicht ungewöhnlich. Der Zweck, den Sie damit verfolgen, ist sehr unterschiedlich. Teilweise soll hier für eine gute Ausbildung gespart werden, teilweise soll das Kind einfach ab einem gewissen Alter die Möglichkeit haben, über einen nicht unbeträchtlichen Betrag verfügen zu können. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass Eltern Beträge von einem solchen Sparbuch abheben, wenn es aus ihrer Sicht wirtschaftlich notwendig ist. Im Regelfall werden sie sich dabei nicht die Frage stellen, ob sie gegebenenfalls Schadenersatz leisten müssen, wenn sie den entnommenen Betrag nicht wieder dem Sparbuch zuführen. Jüngst hatte jedoch der Bundesgerichtshof die Chance dazu Stellung zu nehmen, ob ein Kind einen Anspruch gegenüber seinen Eltern hat, von einem für das Kind angelegten Sparbuch entnommene Beträge erstatt zu bekommen (Urteil vom 17. Juli 2019, XII ZB 425/18).

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Es kann teuer werden, wenn der Mieter die Mangelbeseitigung durch den Vermieter verweigert

Die Frage, ob Mängel vorliegen, dürfte bei Mietverhältnissen das Streitthema Nr. 1 sein. Dies dürfte unter anderem daran liegen, dass für beide Seiten des Mietverhältnisses eine Menge davon abhängt. Für den Mieter geht es zumeist um nicht unerhebliche Einschränkungen der Gebrauchsmöglichkeiten der Mietsache. Für den Vermieter geht es um seine Mieteinnahmen. Für diesen ist es insbesondere misslich, dass aus Sicht des Bundesgerichtshofs für die Berechnung der Höhe des maßgeblichen Minderungsbetrages nicht der Nettomietzins, sondern der Mietzins einschließlich der vereinbarten Nebenkosten maßgeblich ist. Allerdings ist es in der Praxis schwierig die angemessene Höhe des Minderungsbetrages zu bestimmen. Gleiches gilt auch für ein etwaiges Leistungsverweigerungsrecht, welches der Mieter neben der Mietminderung geltend machen kann. Man kann sagen, dass die Bestimmung dieser Beträge miunter etwas von Kaffeesatzlesen hat. Insbesondere wenn der Streit über das Vorliegen von Mängeln sich schon über einige Zeit hinzieht, ist auf Seiten des Mieters zu befürchten, dass er das Ausmaß der Mängel nicht mehr beweisen kann, wenn der Vermieter ankündigt, die Mängel beseitigen lassen zu wollen. Vor diesem Hintergrund ist dann die Frage zu beantworten, ob der Mieter die Beseitigung der Mängel zumindest solange verweigern kann, bis er in der Lage war die entsprechenden Beweise in einem ausreichenden Maße zu sichern. Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 10. April 2019 (VIII ZR 12/18) bestimmt, dass ein etwaiges Leistungsverweigerungsrecht mit sofortiger Wirkung entfällt, wenn der Mieter den Vermieter an der Beseitigung der Mängel hindert.

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Elternteilzeit abzulehnen ist gar nicht so einfach

„Elterngeld – eine Erfolgsgeschichte“ betitelt die Bundesregierung einen Artikel auf ihrer Webseite vom 28. November 2017. Danach hätten in der Zeit von 2007 bis 2017 ca. 8 Millionen Mütter und Väter Elterngeld bezogen. Aber nicht nur der Bezug von Elterngeld ist ein wichtiger Bestandteil des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes, kurz BEEG. Darüber hinaus enthält das BEEG auch Regelungen, die Arbeitsverhältnisse fundamental beeinflussen können. So erweitert das BEEG den Kündigungsschutz der sich in Elternzeit befindenden Personen. Darüber hinaus gewährt das BEEG den Arbeitnehmern auch ein Recht auf Verringerung der Arbeitszeit während der Elternzeit. Das Recht wird jedoch nicht schrankenlos gewährt. Vielmehr hat der Arbeitgeber die Möglichkeit, einen entsprechenden Antrag abzulehnen, wenn dringende betriebliche Gründe vorliegen. Allerdings hat der Arbeitgeber die Ablehnung schriftlich auszusprechen und auch zu begründen. Das eine vernünftige Begründung im Sinne des Gesetzes gar nicht so einfach ist und der Arbeitgeber vorher überlegen sollte, welche Begründung er in sein Ablehnungsschreiben aufnimmt, zeigt ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 11. Dezember 2018 (AZ: 9 AZR 298/18).

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Es gibt kein Krankengeld, wenn der Krankenkasse nicht rechtzeitig die AU vorgelegt wird!

Langanhaltende Erkrankungen engen meist nicht nur die körperlichen Bewegungsmöglichkeiten des Betroffenen ein. Wenn der Betroffene in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis steht, wird nach sechs Wochen auch sein finanzieller Handlungsspielraum eingeengt. Denn nach sechs Wochen muss der Arbeitgeber das Gehalt nicht mehr fortzahlen (§ 3 Abs. 1 Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG)) und der betroffene Arbeitnehmer erhält dann ein vermindertes Krankengeld von der Krankenkasse (§§ 44 ff SGB V). Krankengeld erhält der Arbeitnehmer jedoch nur dann, wenn er seine Arbeitsunfähigkeit der Krankenkasse rechtzeitig mitteilt. Rechtzeitig bedeutet in diesem Zusammenhang, dass er die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung der Krankenkasse innerhalb von einer Woche nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit zukommen lassen muss (§ 49 Abs. 1 Nr. 5 SGB V). Was gilt, wenn der Arbeitnehmer die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung rechtzeitig auf den Weg gebracht hat, die Krankenkasse diese Bescheinigung jedoch erst nach Ablauf der Woche oder gar nicht erhält? Die Antwort ist eindeutig und fällt zulasten des Arbeitnehmers aus, wie das Urteil des Bundessozialgerichts vom 25. Oktober 2018 (B 3 KR 23/17 R) zeigt.

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Dünnhäutige Richter haben beim Bundesverfassungsgericht keine Chance

Es wird nicht zu Unrecht beklagt, dass die Respektlosigkeit einiger Menschen teilweise ein nicht mehr akzeptables Maß angenommen hat. Bis zu einem gewissen Grad müssen aber alle Menschen mit harscher Kritik leben. Wo genau die Grenze zu ziehen ist, kann nicht mit wenigen einfachen Worten beschrieben werden.

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